29 Jahre hat Karl-Heinz Hartung (rechts) das Präsidentenamt des Erfurter Männerchores 1890 begleitet, jetzt führt Thomas Scheel die Aufgaben fort.
Als Tenor bleibt er erhalten
08. Mai 2026
Karl-Heinz Hartung hat den Erfurter Männerchor 1890 über Jahrzehnte geprägt
Beim Erfurter Männerchor (EMC) 1890 endet eine Ära: Karl-Heinz Hartung hat nach 29 Jahren das Amt des Präsidenten abgegeben. Auf der Jahreshauptversammlung wählten die Mitglieder Thomas Scheel zu seinem Nachfolger. Dem traditionsreichen Ensemble bleibt Hartung jedoch erhalten – als Ehrenpräsident und weiterhin als 1. Tenor.
„Ich werde dieses Jahr 78 Jahre. Ich habe das Amt immer gern gemacht, aber jetzt ist es Zeit“, sagt Hartung mit einem Lächeln. Mit seinem Abschied vom Präsidentenamt endet nicht nur eine lange Amtszeit, sondern auch ein Beispiel für eine Form von Ehrenamtsführung, die in vielen Bereichen – auch im Handwerk – zunehmend seltener wird: stark personenbezogene Verantwortung über Jahrzehnte hinweg, getragen von Kontinuität und persönlicher Bindung.
Der ehemalige Sicherheitsingenieur aus Elleben war 1997 auf Wunsch des damaligen Ehrenvorsitzenden Werner Schulte angetreten. In geheimer Wahl setzte er sich damals mit 38 zu 16 Stimmen durch – und übernahm den Chor in einer Phase des Umbruchs. „Wir haben damals praktisch bei null angefangen. Vom alten Vorstand war nur noch der Schriftführer übrig“, erinnert er sich.
Seit 1997 in Verantwortung
Mit dem damaligen Chorleiter Prof. Gert Frischmuth und dem heutigen Chorleiter Christian Wolf führte er den Verein in erfolgreiche Jahre. Zahlreiche Auftritte, Konzertreisen und Wettbewerbe prägten diese Zeit. Zu den Höhepunkten zählen Konzertreisen nach Wien und Verona, wo der Chor bei einem internationalen Wettbewerb den dritten Platz erreichte. Auch der Sieg beim Daniel-Elster-Wettbewerb in Thüringen bleibt in Erinnerung.
Für Hartung war das Präsidentenamt dabei stets mehr als reine Organisation. „Es war immer mein Anspruch, dass sich die Sänger auf die Probe freuen. Also musste man für eine gute Atmosphäre und Harmonie sorgen“, sagt er. Diese Haltung erinnert an moderne Führungsansätze im Handwerk: Nicht reine Verwaltung, sondern Motivation, Bindung und Betriebskultur entscheiden über langfristigen Erfolg. Im Gildehaus der Handwerkskammer Erfurt bereitete er viele Proben sorgfältig vor.
Dauerthema Nachwuchsgewinnung
Ein Dauerthema blieb für ihn der Nachwuchs. „Junge Sänger braucht der Chor – damals wie heute“, macht er deutlich. Seit Jahren bemüht sich der Verein mit Werbung, gezielten Einladungen und Freikarten darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Damit spiegelt der Chor ein Problem, das auch Handwerksbetriebe und Organisationen beschäftigt: Der demografische Wandel trifft sowohl Fachbetriebe als auch kulturelle Vereine gleichermaßen.
Dass die Bemühungen erfolgreich waren, betont sein Nachfolger Thomas Scheel: „Karl-Heinz hat es über Jahre geschafft, jedes Jahr mindestens zwei neue Sänger für den Chor zu gewinnen. Das ist eine herausragende Leistung.“ Überhaupt habe sich Hartung „weit über das normale Maß hinaus engagiert und die Dinge am Laufen gehalten.“
Scheel übernimmt das Amt mit großem Respekt. „Karl-Heinz hat große Fußstapfen hinterlassen. Ich möchte an die Tradition anknüpfen.“ Besonders freue er sich auf die musikalischen Höhepunkte: „Wenn man wochenlang auf ein Konzert hinarbeitet und dann die glücklichen Gesichter der Besucher sieht – das ist der schönste Lohn.“
Enge Verbindung zum Handwerk
Der Erfurter Männerchor zählt derzeit 64 aktive Sänger sowie elf fördernde Mitglieder. Der älteste Sänger ist über 90 Jahre alt. Auch einige Handwerksmeister singen in den Reihen mit. Das Repertoire reicht von mittelalterlichen Weisen über klassische Männerchorliteratur bis hin zu modernen Titeln von ABBA, Karat oder den Puhdys.
Geprobt wird in enger Verbundenheit zur Handwerkskammer Erfurt. Zu besonderen Anlässen, wie beispielweise der traditionellen Meisterfeier zu Jahresbeginn oder auch dem Weihnachtsmarkt des Thüringer Handwerks, ist der Chor regelmäßig zu hören.
Zu diesen Anlässen wird auch Karl-Heinz Hartung weiterhin auf der Bühne stehen. Er denkt noch lange nicht ans Aufhören. „Solange ich noch singen kann“, sagt er, „bleibe ich dabei.“