Tischlermeister Mathias Scheffel hat sich vor fast zehn Jahren mit der Tischlerei EINZ30 Holzwerkhof selbstständig gemacht.
Holz von nebenan
24. April 2026
Tischlermeister Mathias Scheffel setzt auf Regionalität und Wertschöpfung
Wenn Mathias Scheffel über neue Projekte spricht, geht es selten um Serienmöbel. Den Tischlermeister aus Ostthüringen reizen vor allem ungewöhnliche Anfragen. „Oder die, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe“, sagt er. Dann beginnt für ihn der spannendste Teil seiner Arbeit: eine Idee entwickeln, Lösungen finden und schließlich etwas Einzigartiges bauen.
Scheffel ist Inhaber der Tischlerei EINZ30 Holzwerkhof. In seiner Werkstatt in Kraftsdorf bei Gera fertigt er vor allem besondere Einzelstücke für private Auftraggeber – vom Konferenztisch bis zur Praxiseinrichtung. Unterstützt wird er dabei von zwei Frauen, die derzeit im dritten Lehrjahr sind. Dabei war es ursprünglich gar nicht geplant, dass Scheffel einmal Tischler werden und selbst Nachwuchs ausbilden würde.
Vom Ferienjob zum Beruf
Eigentlich wollte er Reise- und Verkehrskaufmann werden – allerdings nicht, um „Kataloge zu wälzen“, wie er es formuliert. Ihn reizte eher das, was heute Reiseblogger tun: unterwegs sein, Neues entdecken, Projekte im Ausland umsetzen. Tatsächlich arbeitete er später auch an Projekten in England und Irland.
Der entscheidende Impuls für das Handwerk kam jedoch schon früher – bei einem Ferienjob in einer Tischlerei im Ort. Gemeinsam mit einem Kindergartenfreund begann er dort 1996 seine Ausbildung zum Tischler. 2004 legte Scheffel die Meisterprüfung ab. Es folgten mehrere Jahre Berufserfahrung, zunächst als Projektleiter, später in der Projektentwicklung und Kalkulation. Am 1. Oktober 2016 machte er sich schließlich selbstständig. Im Herbst steht damit bereits das erste kleine Firmenjubiläum an.
Anspruchsvolle Projekte
Der Weg zum eigenen Betrieb verlangt eine große Portion Mut. „Die Rahmenbedingungen für kleine Betriebe sind in Deutschland nicht die einfachsten“, sagt Scheffel. Hohe Kosten und bürokratische Hürden gehören zum Alltag vieler Handwerksbetriebe. Durchhaltevermögen geben ihm vor allem anspruchsvolle Aufträge. Derzeit arbeitet der Tischlermeister beispielsweise an der Rekonstruktion eines gründerzeitlichen Kontorzimmers in einer alten Mühle in Erfurt. Türen, Wandverkleidungen und weitere Details entstehen dort nach historischem Vorbild und in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz.
Möbel mit Charakter
Neben solchen Rekonstruktionsarbeiten fertigt Scheffel auch Möbel mit persönlicher Geschichte. „Ich versuche, die Verbindung zwischen Mensch und Natur, zwischen Handwerk und Heimat sichtbar zu machen. Risse, große Äste oder unregelmäßige Strukturen werden bewusst in das Design einbezogen. So entstehen langlebige Unikate mit Erbstückcharakter“, erklärt der 46-Jährige. Holz kombiniert er dabei bewusst mit Materialien wie Filz, Leder, Metall oder Stein und arbeitet dafür mit verschiedenen Gewerken zusammen.
Regionalität spielt dabei eine zentrale Rolle. Häufig verarbeitet Scheffel Holz aus seiner Heimat zu Möbeln, die Generationen überdauern, oft stammt das Material sogar von seinen Kunden selbst. In diesem Jahr erhielt er beispielsweise einen großen Nussbaum sowie zwei Kirschbäume aus der Region. Zu seinen bevorzugten Hölzern gehören Eiche, Esche und Steinobsthölzer. „Mein Lieblingsholz ist Ulme“, sagt er.
Qualität statt Masse
Trotz moderner Technik setzt Scheffel bewusst auf klassisches Handwerk. „Es gibt Momente, in denen ich gern eine CNC einsetzen würde“, sagt er. Doch für einen kleinen Betrieb sei eine solche Maschine wirtschaftlich kaum darstellbar. „Wenn ich sie anschaffen würde, müsste ich dauerhaft auf Masse produzieren. Und das ist nicht mein Konzept.“
Tief verwurzelt in regionalen Wirtschaftskreisläufen, denkt Scheffel bereits über die nächsten Schritte nach. Perspektivisch könnte er sich eine größere Werkstatt im Raum Gera vorstellen – eventuell auch in Kooperation mit anderen Betrieben. Denn trotz aller Herausforderungen bleibt seine Motivation dieselbe: aus einem Stück Holz etwas Einzigartiges entstehen zu lassen.