Jeremy Reise
Jeremy Reise hat ein eigenes Bestattungsunternehmen in Ilmenau aufgebaut.

Abschied muss nicht schwarz sein

Jeremy Reise bekennt Farbe – und bringt frischen Wind in die Bestattungskultur

Der Tod eines geliebten Menschen ist ein tiefer Einschnitt im Leben, verbunden mit Schmerz und Trauer, aber auch vielen zu erledigenden Aufgaben. Jeremy Reise will Angehörige dabei unterstützen – mit modernen Ansätzen. „Im Gegensatz zu religiös geprägten Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg ist Sterben und Tod vor allem in Thüringen noch ein Tabuthema. Das muss es nicht sein“, sagt der 25-Jährige.

Bis vor wenigen Jahren hatte auch Jeremy Reise keine Berührungspunkte mit dem Tod. Dass er einmal Bestatter wird, hätte er wohl selbst nicht geglaubt. Nach seinem Abitur absolvierte er ein duales Studium zum Fitnessökonom in Baden-Württemberg. „Mein damaliger Arbeitgeber hat viel Wert auf Dienstleistung und Service gelegt und die persönliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter gestärkt. Dabei habe ich erkannt, was mich glücklich macht und antreibt: Ich möchte Menschen helfen, ein guter Ansprechpartner in einer schwierigen Situation sein und Dankbarkeit erfahren“, sagt er.

Erfüllende Arbeit

Nach dem Abschluss des Studiums 2022 kam er durch einen Freund zum Bestatterberuf. Trotz schwerer Schicksale – Sternenkinder und Unfälle – haben ihm zwei Wochen Einarbeitungszeit gereicht, um zu verstehen: Das ist genau der Beruf, der ihn erfüllt. „Ich bin total aufgegangen in der Arbeit“, sagt Jeremy Reise. Er bildet sich über Weiterbildungen fort, lernt die wichtigsten Aufgaben für den Bestattungsalltag kennen und zeigt sich dann für eine Filiale in Pforzheim verantwortlich.

Ende 2023 zieht es ihn zurück nach Thüringen. Nach einer kurzzeitigen Anstellung in einem Bestattungsunternehmen entschließt er sich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Mir war klar: Ich muss etwas Eigenes machen, um auf lange Sicht glücklich zu sein.“

Seit Anfang dieses Jahres startet er durch – und macht vieles anders als seine Kollegen. Statt eines schwarzen Anzugs trägt er grün, und auch sein Bestattungswagen ist in grüner Farbe lackiert. „Grün steht für das Leben, und der Tod ist ein Teil des Lebens. Damit ändert sich auch der Grundgedanke der Trauerfeier, die wir explizit Lebensfeier nennen. Wir stellen das Leben des Verstorbenen in den Vordergrund und erinnern an die Meilensteine. Wir feiern sein oder ihr Leben“, erklärt er.

Individuelle Lösungen

Mit innovativen und vor allem individuellen Ideen möchte Jeremy Reise den Abschied erleichtern. „Bei mir dürfen die Angehörigen Teil des Prozesses sein, zum Beispiel den verstorbenen Menschen versorgen, den Sarg bemalen oder die Urne selbst zum Grab tragen, wenn es gewünscht ist. Sie dürfen auch darüber nachdenken, ob die Trauerfeier auf dem Friedhof stattfinden soll oder an einem Ort, der in Verbindung mit dem Verstorbenen steht. Warum nicht im Garten oder in einer Gaststätte, wenn es den Menschen ausgezeichnet hat? All das macht den Tod greifbarer. Er kann besser verarbeitet werden“, sagt er.

Aktuell konzentriert sich Jeremy Reise auf den Raum Ilmenau, könnte sich aber auch weitere Standorte in Thüringen vorstellen. Perspektivisch liebäugelt er mit dem Ausbilderschein, der ihn berechtigen würde, den Nachwuchs auszubilden. „Damit sich noch mehr junge Menschen für den tollen Beruf entscheiden“, sagt er.