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Uta Bohrer ist zum Stillstand gezwungen: Nach einem Sturz bei Reinigungs-arbeiten kann sie aktuell nicht in ihrer Haarstube in Bleicherode arbeiten.

„Aufgeben gibt es bei mir nicht“

Friseurmeisterin Uta Bohrer aus Bleicherode hat sich bei einem Sturz beide Unterarme gebrochen und sucht nach Unterstützung

Es war ein Wimpernschlag, der das Leben von Uta Bohrer auf den Kopf gestellt hat. Anfang des Jahres ist die 59-jährige Friseurmeisterin bei Reinigungsarbeiten in ihrem Salon gestürzt und hat sich beide Unterarme gebrochen. „Ich wollte erst nicht wahrhaben, dass etwas passiert ist, aber der Schmerz wurde immer größer und ich musste der Realität ins Auge sehen“, sagt die Frau, die unter Vollnarkose operiert werden musste und nun an der rechten Seite eine Orthese trägt und an der linken Seite einen Gips. Bis zu vier Monate ist sie außer Gefecht gesetzt.

Und das ist ein echtes Problem für sie und ihre Haarstube in Bleicherode im Landkreis Nordhausen. „Ich habe zwei Angestellte, die verkürzt arbeiten. Wir sind ein tolles Team, es ist ein Geben und Nehmen, aber sie können meinen Ausfall nicht kompensieren. Wir müssen vielen Kunden absagen“, bedauert die Thüringerin. Statt sich vor allem Ruhe zu gönnen, versucht Uta Bohrer Lösungen zu finden, um den Betrieb in den nächsten Wochen aufrechterhalten zu können, ohne zu viele Kunden zu verprellen.

Fachkräftemangel und Steuerhürden

Leicht ist das nicht – auch wenn das Handwerk zusammenhält und sie viele ermutigende Anrufe erhalten habe. Einerseits sei der Fachkräftemangel in der Branche deutlich zu spüren. „Es gibt kaum Friseure in unserer Region. Wir brauchen unbedingt wieder mehr Nachwuchs, der diesen tollen Beruf erlernt. Wir können in der Zukunft nicht nur auf Roboter setzen“, sagt Uta Bohrer. Andererseits würden denjenigen, die sie unterstützen möchten, Steine in den Weg gelegt. „Eine Friseurin könnte einige Stunden abdecken, hätte dann aber höhere Abgaben und würde Minus machen. Es kann doch nicht sein, dass sie Nachteile bekommt, weil sie mir helfen möchte“, erklärt die Betriebsinhaberin, die selbst erst eine hohe Steuernachzahlung leisten muss. „Wie waren im vergangenen Jahr sehr fleißig, sind unseren Kunden entgegengekommen und werden dafür bestraft. Das ist frustrierend.“

Und trotzdem: Uta Bohrer denkt nicht daran, den Betrieb (kurzfristig) zu schließen. „Aufgeben gibt es bei mir nicht“, betont sie. Die Haarstube ist das Herzensprojekt der Friseurmeisterin. Nach vielen Jahren im Angestelltenverhältnis verwirklichte sie in ihrem Elternhaus ihren Traum vom eigenen Salon, den sie von der Pike auf selbst gestaltet hat. Seit November 2016 verschönert sie hier die Köpfe ihrer Kunden. „Wir decken eine breite Palette an Aufgaben ab, haben mit interessanten Menschen zu tun und setzen unsere Sprache ein. Was ich an meiner Arbeit am meisten mag: Ich schließe eine Frisur von Anfang bis Ende ab. Und wenn der Kunde zufrieden ist, erfreut es auch mein Herz.“

Das soll auch so bleiben – trotz Handicap, das noch reichlich Ergo- und Physiotherapie abverlangen wird. „Ich habe eine langfristige Lösung in Aussicht, aber den Februar müssen wir noch überbrücken. Ich versuche, mich frei zu machen von Ängsten und Existenzsorgen und glaube daran, dass es sich fügen wird“, sagt Uta Bohrer.