Die Bäckerei Veit Flassig in Kranichfeld hat nach dem Tod des Namensgebers wieder eine Zukunft, seine Frau Katrin Achilles und der befreundete Bäckermeister Andre Helmke übernehmen.
Bäckerei aus Kranichfeld findet neuen Weg nach dem plötzlichen Tod ihres Gründers
Es war ein Schock – für Katrin Achilles, ihre Zwillinge und irgendwie auch den ganzen Ort. Überraschend und plötzlich war Kranichfelds Bäcker Veit Flassig kurz vor dem letzten Jahreswechsel verstorben. Mit nur 59 Jahren hinterließ er seine Frau, die beiden gemeinsamen Kinder und eine traditionsreiche Bäckerei. „Das war immer sein Baby“, erinnert Katrin Achilles sich heute. Für sie brach mit dem Tod des geliebten Mannes eine Welt zusammen. Und doch stand fest, dass es weitergehen soll – auch mit der kleinen Bäckerei vor den Toren der Thüringer Landeshauptstadt.
Nach gut fünf Monaten Zwangspause heizte die Bäckerei Veit Flassig wieder ihren Ofen an. Der neue Bäcker heißt André Helmke und hat seinen Meister im elterlichen Betrieb in Erfurt gemacht. Die Verbindung zwischen Helmke und Katrin Achilles besteht schon lang. „Er hat damals dort gelernt, wo mein Mann als Geselle arbeitet“, erzählt sie. Über Facebook habe er vom Tod des einstigen Kollegen erfahren, Katrin Achilles habe ihn dann angeschrieben und von ihrer Situation einer Bäckerei ohne Bäcker berichtet. Helmke kündigte daraufhin seine Anstellung in einem Unternehmen nördlich von Erfurt und stieg in den Betrieb in Kranichfeld ein. „Das war anfangs echt eine riesige Umgewöhnung, vor allem weil der Ofen ein ganz anderer ist. Da gingen die ersten Test-Brote schon dunkler, als erwartet“, erzählt André Helmke. Inzwischen habe er sich aber an den mehr als 60 Jahre alten gemauerten Ofen gewöhnt, könne mit dem Hitzespeicher in den Steinen umgehen und Brot und Brötchen bekämen ideale Farbe.
Dass diese Farbe aber ganz bewusst bisweilen variiert, erfahren alle, die zum Wochenende hin doppelte Brötchen wollen. „Wir haben die Normalen und noch etwas Hellere, die gut auf dem Grill gelegt werden können“, erklärt Katrin Achilles. Insgesamt ist das Angebot des kleinen Geschäfts in Kranichfeld vielleicht etwas weniger vielfältig als in einer Großbäckerei, dafür aber oftmals besser bekömmlich. „Viele unserer Kundinnen und Kunden vertragen die natürlichen und nachvollziehbaren Zutaten einfach besser“, erklärt Bäckermeister Helmke und Katrin Achilles fügt hinzu: „Unser Mehl bekommen wir zum Beispiel aus einer ganz kleinen Mühle in Möhrenbach im Ilm-Kreis.“
Aus diesem Mehl entstehen aber nicht nur Brot und Brötchen, sondern vor allem Teilchen und Kuchen. „Um die Kuchen kümmere ich mich selbst“, erzählt Katrin Achilles, die eigentlich aus der Gastronomie stammt, zusammen mit Mann Veit Flassig 2016 aber von Erfurt nach Kranichfeld zog und die Traditionsbäckerei übernahm. Dass diese nun, trotz des Tods des Bäckers, wieder eine Zukunft hat, ist ihrem Engagement und ihrem Durchhaltewillen zu verdanken. Von diesem profitieren so nicht nur das Unternehmen und die Familie, sondern auch der kleine Ort Kranichfeld.