Thomas Fiedler, Stefan Meinders und Egbert Fiedler (von links) leiten die Geschicke der HST Holzspezialtüren GmbH aus Dingelstädt. Der Betrieb fertigt Türen an, die einen hohen Si-cherheitsstandard erfüllen müssen.
Eine Tischlerei aus Dingelstädt fertigt besonders sichere Spezialtüren an
Wer mit Egbert und Thomas Fiedler und Stefan Meinders arbeiten will, muss tüfteln können. Und schweigen. „Für unsere Aufträge müssen wir teilweise Verschwiegenheitserklärungen unterschreiben. Und manchmal wissen wir selbst nicht, für wen die Türen sind“, sagen die Köpfe der HST Holzspezialtüren GmbH.
Was erzählt werden darf: Die Türen des Familienbetriebs aus Dingelstädt sind im Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln, im The Ritz Carlton in Berlin oder im Dom in Hildesheim zu sehen. Und in der Innsbrucker Villa eines österreichischen Unternehmers. 50 der gut 80 Türen stammen aus Thüringen, auch das mächtige Eingangsportal. „Ein Automatikdrehflügelantrieb bewegt die 500 Kilo“, weiß Egbert Fiedler.
Er entwirft, was kein Standard ist, und tüftelt dafür neue Ideen aus, zum Beispiel in Sachen Elektronik und Statik. „Wir sind die Problemlöser. Je komplizierter, desto interessanter der Auftrag“, sagt der 63-Jährige, der mit internationalen Architekten und hochwertigen Innenausbauern zusammenarbeitet.
Betrieb mit Familientradition
Die HST Holzspezialtüren GmbH, die heute von Sohn Thomas, gelernter Tischler und Diplom-Ingenieur, und Meister Stefan Meinders geführt wird, blickt auf eine lange Familiengeschichte zurück. 1936 hat Ewald Wachtel hat die nach ihm benannte Tischlerei gegründet. Im Zweiten Weltkrieg musste die Tätigkeit geruht, die Maschinen wurden für den Bombenbau eingeschmolzen. Danach baute Ewald Wachtel die Werkstatt wieder neu aufgebaut. 1968 übernahm Karl-Heinz Fiedler die Geschicke in dem Betrieb, der auch in DDR-Zeiten im Privatbesitz war. „Damals wurden auch schon Türen hergestellt, aber nicht vergleichbar mit den heutigen Produkten“, sagt Egbert Fiedler.
Kurz nach der Wende hat er den Betrieb übernommen – und ihn in eine neue Ära geführt. Von der Kerfstraße in der Stadtmitte von Dingelstädt ist er in das Gewerbegebiet „Auf der Heide“ gezogen, hat in Geschäftsräume und eine Halle investiert und 2004 eine zweite folgen lassen. „Wir sind maschinell in die Offensive gegangen durch moderne CNC- und Ummantelungstechnik“, begründet er.
Wer heute durch die Werkstatt geht, versteht schnell: Mit einer klassischen Tischlerei hat die Arbeit in der 2017 neu gegründeten HST Holzspezialtüren GmbH, die die klassische Tischlerei ergänzt, kaum noch etwas gemein. Weil die Produkte ganz und gar nicht klassisch sind. „Wir haben uns auf einem ganz speziellen Markt konzentriert und sind damit in Thüringen wohl einzigartig“, sagt Thomas Fiedler.
Hohe Sicherheitsansprüche
Die Türen, die im Eichsfeld hergestellt werden, müssen hohen Sicherheitsansprüchen gerecht werden, um in öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten und Schulen, aber auch Museen und religiösen Einrichtungen eingebaut werden zu können. „Unsere Türen retten im Ernstfall Leben. Sie müssen beispielsweise einbruchsicher sein, beschusshemmende Elemente in sich tragen oder vor Hochwasser schützen“, sagt der 43-Jährige.
Während er und Stefan Meinders die Werkstatt und die über Dutzend Mitarbeiter führen, zeigt sich Egbert Fiedler (noch) für die Auftragsakquise und die technischen Zeichnungen verantwortlich. Nach und nach will der Mann, der vergangenes Jahr sein 40-jähriges Meisterjubiläum gefeiert hat, aus dem operativen Geschäfts herausziehen. „Die beiden haben es gut im Griff“, meint er.
Gute Auftragslage
An Aufträgen mangelt es dem Unternehmen nicht. „Wir sind bis Jahresende ausgebucht und können mit Fug und Recht behaupten, dass wir gut zu tun haben. Dafür muss man aber auch sehr innovativ unterwegs sein“, sagt Egbert Fiedler, als er durch die Halle geht und die modernen Maschinen präsentiert.
Was Ewald Wachtel wohl dazu sagen würde? „Der würde aus dem Staunen nicht herauskommen. Die Technik, die wir hier einsetzen, ist schon eine Hausnummer“, betont Egbert Fiedler.