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Entlastungsprämie der Bundesregierung: Handwerkskammer Erfurt warnt vor Überforderung vieler Handwerksbetriebe

13. April 2026

Die Handwerkskammer Erfurt reagiert mit Sorge auf die von der Bundesregierung angekündigte Entlastungsprämie. Der Grundgedanke, Beschäftigte mit einer steuer- und abgabenfreien Zahlung von bis zu 1.000 Euro zu entlasten, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Doch aus Sicht vieler Handwerksbetriebe in Nord- und Mittelthüringen ist die Maßnahme in der aktuellen wirtschaftlichen Lage kaum leistbar. 

Nach den bisherigen Plänen ist die Entlastungsprämie freiwillig. Einen generellen Anspruch für Beschäftigte gibt es nicht. Ob Unternehmen zahlen können, hängt damit unmittelbar von ihrer wirtschaftlichen Lage ab. Genau hier liegt aus Sicht des Handwerks das Problem: Viele Betriebe stehen seit Monaten unter erheblichem Druck. Hohe Energie-, Material- und Personalkosten, eine schwache Konjunktur, wachsende Bürokratielasten und die Folgen der jüngsten Krisen engen die finanziellen Spielräume erheblich ein. 

„Viele Handwerksbetriebe würden ihre Beschäftigten gern zusätzlich entlasten. Doch die wirtschaftliche Realität lässt das derzeit oft nicht zu. Nach Jahren voller Krisen und anhaltend hoher Kosten ist eine solche Prämie für viele Unternehmen schlicht nicht leistbar. Was politisch als Entlastung gedacht ist, wird in der betrieblichen Praxis schnell zur zusätzlichen Belastung. Besonders kleine und mittlere Handwerksbetriebe verfügen häufig nicht über die Reserven, um zusätzliche Prämien kurzfristig auszuzahlen“, sagt Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt. 

Die Handwerkskammer Erfurt warnt deshalb vor falschen Erwartungen und fordert stattdessen strukturelle Entlastungen, die den Betrieben tatsächlich helfen und für Planbarkeit sorgen. Dazu gehören aus Sicht der Kammer vor allem verlässliche Energiepreise, weniger Bürokratie, sinkende Abgaben und bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. 

„Ein Grundprinzip der Sozialen Marktwirtschaft ist, dass nur verteilt werden kann, was zuvor erwirtschaftet wurde. Wenn es Handwerksbetrieben in dieser schwierigen Lage gelingt, Aufträge, Beschäftigung und Ausbildung zu sichern, dann ist das bereits ein Erfolg, auf den sie mit Recht stolz sein können. In einer solchen Situation zusätzliche finanzielle Erwartungen an die Unternehmen zu richten, ist für viele Betriebsinhaber schlicht eine Zumutung und führt zu Unverständnis. Das Handwerk braucht keine Symbolpolitik, sondern echte Entlastung“, so Lobenstein weiter. 

Die Handwerkskammer Erfurt appelliert an die Bundesregierung, bei der weiteren Ausgestaltung der Maßnahme die wirtschaftliche Realität des Mittelstands stärker zu berücksichtigen.