HWK EF
Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt ließ sich eine Robotikanwendung demonstrieren.

Handwerk zeigt Perspektiven auf der Thüringen Ausstellung

11. März 2026

Die Thüringen Ausstellung auf der Messe Erfurt hat auch 2026 wieder gezeigt, wie lebendig und modern das Handwerk in der Region ist – und wie Betriebe aktiv ihre Zukunft gestalten. Vom 28. Februar bis zum 8. März nutzten 67.000 Besucher die Gelegenheit, sich über Trends und Technologien, Karrierewege und konkrete Unterstützungsangebote zu informieren. Die Handwerkskammer Erfurt präsentierte sich auf der größten Verbrauchermesse des Freistaats mit einem vielseitigen Messestand, der Beratung, Information und praktische Einblicke miteinander verbunden hat.

Robotik zum Anfassen

Ein besonderer Publikumsmagnet war der Robotikbereich des Kompetenzzentrums für Robotik und Sensorik (KRS). In einer Schulungszelle mit industriellem Gelenkarmroboter konnten Interessierte erleben, wie Automatisierung im Handwerk funktioniert – und dass sich ein Roboter mit vergleichsweise wenig Vorkenntnissen programmieren lässt. Die Botschaft: Robotik soll Handwerker nicht ersetzen, sondern sie bei schweren, gefährlichen oder monotonen Aufgaben unterstützen und so Freiräume für anspruchsvolle Tätigkeiten schaffen. Vorgestellt wurde zudem erstmals der neue Lehrgang „Berufsspezialist für Robotik und Sensorik (HWK Erfurt)“, der Handwerkern den Einstieg in diese Zukunftstechnologie erleichtern soll.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Großes Interesse fanden auch die Beratungsangebote der Technologie-Transfer-Stelle der Handwerkskammer. Betriebe konnten sich über Digitalisierung im Arbeitsalltag informieren – etwa zu digitaler Zeiterfassung, E-Rechnungen, Online-Marketing oder moderner Handwerksoftware. Zu den weiteren Themen gehörten unter anderem künstliche Intelligenz, virtuelle Realität sowie IT-Sicherheit und Schutz vor Cybercrime. Ergänzt wurde das Angebot durch Beratungen zu nachhaltigem Wirtschaften, Ressourceneffizienz und erneuerbaren Energien, einschließlich passender Fördermöglichkeiten von Bund und Land.

Karrierewege im Handwerk

Für junge Besucher standen die Bildungsangebote der Handwerkskammer im Mittelpunkt. Die Berater informierten über Berufsbilder sowie Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Das Berufe-Glücksrad machte Handwerksberufe spielerisch erlebbar, während die Praktikums- und Lehrstellenbörse konkrete Einstiegsmöglichkeiten zeigte. Auch Förderinstrumente wie Praktikums- und Meisterprämie wurden vorgestellt. Wer bereits im Handwerk Fuß gefasst hat, konnte sich indes über die Existenzgründung, die Betriebsübernahme und Nachfolgeregelung informieren.

Fachwissen an neun Messetagen

Begleitet wurde der Messeauftritt von einem umfangreichen Vortragsprogramm an allen neun Ausstellungstagen. Experten informierten über Cybersicherheit, moderne Handwerksoftware und abermals über die Chancen der Robotik.

Handwerk macht Programm - die Thementage

Franziska Holu und Patricia Kallenbach gewinnen den „Salon der Torten“

Wenn Torten zu Literatur werden und um den besten Blechkuchen des Freistaats gewetteifert wird, dann ist Konditorentag. Im Rahmen der Thüringen Ausstellung widmet sich der Thementag dem süßen Handwerk – und zeigte, wie ideenreich das Thüringer Konditorenhandwerk ist. Von der Thüringer Konditoreninnung eingeladen, lieferten Nachwuchstalente, Fachleute und Hobbybäcker eindrucksvoll ab.

Höhepunkt war erneut der traditionelle „Salon der Torten“ – seit Jahren ein echter Besuchermagnet. Unter dem diesjährigen Motto „Goethe und Schiller in Thüringen“ entstanden essbare Präsenttorten. Ob aus Schokolade, Marzipan oder Zucker – erlaubt war, was in der Konditorei üblich ist. Nicht erlaubt waren hingegen nicht essbare Stützen. Die Kunstwerke mussten den gesamten Ausstellungstag ohne Kühlung überstehen. „Auch wenn es im Moment an Nachwuchs mangelt: Am Konditorentag und mit dem Salon der Torten zeigen wir, dass wir da sind und einen tollen, kreativen Beruf ausüben“, sagte Jury-Chef und Konditormeister Thomas Junghans.

Literarisches Erbe in süßer Form

Im Junior-Wettbewerb der Auszubildenden sicherte sich Franziska Holu den ersten Platz. Im Classic-Wettbewerb der Gesellen und Meister überzeugte Patricia Kallenbach die Jury. Die prämierten Torten zeigten eindrucksvoll, wie sich literarisches Erbe und handwerkliche Perfektion zu süßen Kunstwerken verbinden lassen.

Im Anschluss wurden die Torten traditionell versteigert. Die Einnahmen kommen einem guten Zweck zugute – ein weiterer Beleg dafür, dass das Konditorenhandwerk nicht nur Genuss, sondern auch gesellschaftliches Engagement bietet.

Neben dem „Salon der Torten“ wurde auch dem Blechkuchenwettbewerb viel Aufmerksamkeit zuteil. Hobbybäckerinnen und Hobbybäcker reichten jeweils fünf Stücke ihres Kuchens ein und stellten sich dem Urteil der Expertenjury der Innung. Als Gewinnerin setzte sich Gudrun Eckert mit ihrem Feurigen Kirsch-Krokant durch und durfte sich über eine Urkunde und Preisgeld freuen.

Paul-Philipp Braun / ppbraun.de
Konditormeisterin Patricia Kallenbach überzeugte die Jury mit ihrer Interpretation des diesjährigen Mottos des „Salons der Torten“.

Grillduft, neugierige Blicke rund um die Schauwerkstatt und ein Wettbewerb um die Wurst: Der Wurst- und Grilltag der Thüringen Ausstellung machte das Fleischerhandwerk live erlebbar. Zwischen Rost, Handwerkerfrühstück und Nachwuchswettbewerb wurde auf der Messe Erfurt eindrucksvoll deutlich, wie leistungsfähig, transparent und zukunftsorientiert das Thüringer Fleischerhandwerk aufgestellt ist. So setzte der Thementag ein Zeichen für die Qualität, Vielfalt und die starke regionale Tradition des Handwerks.

Es wurde gegrillt und verkostet, in der Schauwerkstatt fachgerecht zerlegt und produziert. Besucher erhielten einen Einblick in modernes Metzgerhandwerk – von der Plattenschau der Fleischerlehrlinge bis zur virtuellen Leberkäse-Produktion per VR-Brille. Tradition und Innovation gingen dabei Hand in Hand.

Thüringens größtes Handwerkerfrühstück

Ein besonderer Höhepunkt des Thementags war das inzwischen dritte Handwerkerfrühstück, zu dem der Landesinnungsverband des Fleischerhandwerks Thüringen e. V., das 1. Deutsche Bratwurstmuseum und die Handwerkskammer Erfurt eingeladen hatten. Unter dem Motto „Werkbank trifft Schulbank“ kamen Handwerker verschiedenster Gewerke und Lehrkräfte in der Berufsorientierung zusammen und diskutierten über Ausbildungsmöglichkeiten, moderne Berufswege und die Herausforderungen der Nachwuchsgewinnung.

„Mit diesem Format bauen wir eine Brücke zwischen Schulbank und Werkbank. Wir müssen junge Menschen frühzeitig für handwerkliche Berufe begeistern. Das gelingt am besten, wenn Lehrer und Handwerksmeister direkt ins Gespräch kommen und gemeinsam Wege der Berufsorientierung gestalten. Der große Zuspruch zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg“, erklärte Tobias Hinz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt.

Praktische Berufsorientierung

Wie früh Nachwuchsförderung beginnen kann, zeigte auch der 1. Mini-Bratwurst-Cup. Kinder der dritten, fünften und sechsten Klassenstufe der Gemeinschaftsschule 7 aus Erfurt-Kerspleben durchliefen drei Stationen. An der ersten Station produzierten sie mit Mitgliedern der Metzger-Nationalmannschaft ihre eigene Bratwurst. An Station 2 erklärte Metzger-Weltmeister Jörg Erchinger gemeinsam mit Metzgergesellin Laura Heiß anschaulich, was in eine echte Thüringer Bratwurst gehört. Und die dritte Station der Verbraucherzentrale widmete sich der gesunden Brotdose.

Das Rotationsprinzip sorgte dafür, dass jede Klasse jede Station besuchen konnte – inklusive ausreichend Zeit für Fragen, Gespräche und kleine Pausen. Den Abschluss bildete eine feierliche Siegerehrung mit Fotos, Medaillen, Pokalübergabe und strahlenden Gesichtern. Für viele Kinder dürfte es der erste ganz praktische Einblick in ein Lebensmittelhandwerk gewesen sein – und sicher nicht der letzte.

Paul-Philipp Braun
Unter dem Motto „Werkbank trifft Schulbank“ brachte das Handwerkerfrühstück Handwerker und Lehrkräfte zusammen.

Paul-Philipp Braun / ppbraun.de
Beim 1. Mini-Bratwurst-Cup haben Schüler der dritten, fünften und sechsten Klassenstufe ihre eigenen Bratwürste hergestellt.




Gesellenstücke im Tischlerhandwerk wurden ausgezeichnet

Die Thüringen Ausstellung wurde erneut zur Bühne für herausragendes Tischlerhandwerk. Im Rahmen der Sonderschau „Die Gute Form“ des Landesinnungsverbandes des Holz- und Kunststoffverarbeitenden Handwerks Thüringen präsentierten die besten Junggesellinnen und Junggesellen des Freistaates ihre Gesellenstücke – und zeigten eindrucksvoll, wie viel Kreativität, Präzision und gestalterischer Anspruch im modernen Handwerk steckt.

Die Ausstellung steht für die gelungene Verbindung von Tradition und Zukunft. Jedes Exponat erzählte seine eigene Geschichte: von der ersten Entwurfsskizze über die Auswahl hochwertiger Materialien bis hin zur perfekten handwerklichen Umsetzung. Klare Formensprache, innovative Konstruktionen und fein ausgearbeitete Details belegten, dass das Tischlerhandwerk in Thüringen nicht nur auf bewährte Techniken setzt, sondern auch gestalterisch neue Wege geht. Damit stellte die Sonderschau die hohe Ausbildungsqualität im Freistaat einmal mehr unter Beweis.

Fachjury bewertet Arbeiten

Eine Fachjury bewertete die eingereichten Arbeiten nach Kriterien wie Gestaltung, Funktionalität, technischer Ausführung und Gesamteindruck. Zusätzlich konnten die Besucherinnen und Besucher der Thüringen Ausstellung ihren Favoriten wählen und so einen Publikumspreis vergeben. Die große Resonanz am Stand zeigte: Die Wertschätzung für handwerkliche Qualität ist ungebrochen – besonders dann, wenn sie so sichtbar und erlebbar wird wie bei „Die Gute Form“.

Den ersten Platz belegte Friedrich Ronneberger (Friedrich-Schiller-Universität Jena). Er überzeugte die Jury mit einem Phonomöbel mit entkoppelter Plattenspielerauflage, integriertem Verstärker und Lautsprechern sowie Schubkasten, Klappe und Türen. Auf dem zweiten Rang folgte Julius Scheibel (Friedrich-Schiller-Universität Jena) mit einem Spieltisch, während der Barschrank von Julius Schade (Treppen-Tunk Altenberg) den dritten Platz erreichte und auch den Publikumspreis abräumte.

Paul-Philipp Braun
In der Sonderschau „Die Gute Form“ wurden die Gesellenstücke der besten Junggesellinnen und Junggesellen des Freistaats präsentiert.