Wilhelm Brückner galt als der älteste noch aktive Geigenbauer Deutschlands. Anfang des Jahres ist er im Alter von 92 Jahren verstorben.
Hölzerne Kinder prägen Generationen
Wilhelm Brückner, Deutschlands ältester noch wirkender Geigenbaumeister aus Erfurt, ist verstorben
Bis ins hohe Alter arbeitete Wilhelm Brückner zusammen mit Tochter Ruth und Enkel Christoph in der seit 1897 in Erfurt beheimateten Werkstatt. Zu Jahresbeginn ist der international hoch geachtete Geigenbauer nach kurzer Krankheit im Alter von 92 Jahren verstorben.
Nach seiner Ausbildung in Markneukirchen übernahm Wilhelm Brückner 1960 die schon vom gleichnamigen Großvater 1897 gegründete Geigenbaufirma. Obwohl der selbständige Geigenbau zu DDR-Zeiten mit großen Problemen zu kämpfen hatte, eroberte er sich bald einen Platz in der Weltspitze der besten Geigenbauer. Spätestens die Erringung der Goldmedaille 1972 beim renommierten polnischen Geigenbauwettbewerb Henry Wieniawski brachte ihm den internationalen Durchbruch.
Eigenes Bratschenmodell
Zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen folgten. Wilhelm Brückner gehörte 1978 zu den Gründern der Fachgruppe der Geigenbauer der DDR und wurde ihr stellvertretender Vorsitzender. Die Fachgruppe bemühte sich vorrangig um eine bessere Ausstattung mit Materialien, eine fundierte Ausbildung des Nachwuchses und um eine bessere internationale Vernetzung ins westliche Ausland.
1976 entwickelte Wilhelm Brückner in Zusammenarbeit mit renommierten Professoren ein eigenes Bratschenmodell, die sogenannte „breitarschige Brücknerbratsche“, eine besonders sonor klingende und weittragende Viola, die seither auch von zahlreichen Kollegen kopiert wurde. Im September 1979 wurde Wilhelm Brückner als erster Geigenbauer überhaupt in den Verband bildender Künstler aufgenommen, was Reisen und die Übernahme von Lehraufträgen im westlichen Ausland wesentlich erleichterte.
350 eigene Instrumente
Bis zu seinem 90. Geburtstag arbeitet Wilhelm Brückner fast täglich in der Werkstatt. Rund 350 Instrumente, darunter Geigen, Bratschen, Celli und mitunter auch spezielle Instrumente wie Tanzmeistergeigen, hat er selbst gebaut, unzählige repariert und begutachtet. Zu seinen Kunden gehörten renommierte Solisten auf allen Erdteilen.
Kurz vor seinem eigenen Tod schrieb der große Dirigent Kurt Masur noch an Tochter Ruth Brückner: „Die Instrumente Ihres Vaters waren immer so wertvoll, dass man sie klanglich mit alten Italienischen vergleichen konnte. Die Tätigkeit eines Geigenbaumeisters ist eine künstlerisch hocheinzuschätzende, denn sie müssen nicht nur die handwerklichen Kenntnisse, sondern auch das Ohr eines Musikers und das Fingerspitzengefühl besitzen, um solche wertvollen Instrumente zu bauen. In Hochachtung und lebendiger Erinnerung an Ihren Vater - Ihr Kurt Masur“.
Arbeit für Generationen
Der unübersehbare Schriftzug „W. Brückner Geigenbauer“, welcher die Geigenbauwerkstatt in der Erfurter Regierungsstraße seit 120 Jahren ziert, wird noch lange an diesen Kunsthandwerker von Format erinnern, wie auch seine vielen hundert hölzernen „Kinder“ aus Ahorn, Ebenholz, Fichte und Pappel, die Menschen in den Konzertsälen seit vielen Jahren und noch über viele Generationen begeistern werden.