BSZ Hugo Mairich
Von links: Harald Liese (stellvertretender Schulleiter des SBZ Gotha-West), Pia Sobanic (Geschäftsführerin der Kreis-handwerkerschaft Gotha), Landrat Onno Eckert, Judith Döring (Abteilungsleiterin Berufliche Bildung Handwerkskammer Erfurt) und Dr. Uwe Kirschberg (Schulleiter des BSZ "Hugo Mairich") haben den Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Im Schuljahr 2026/27 startet ein weiteres Handwerkergymnasium in Gotha

05. Januar 2026

Die Handwerkskammer Erfurt, die Kreishandwerkerschaft Gotha und der Landkreis Gotha setzen ein deutliches Zeichen für den Handwerkernachwuchs: Ab dem Schuljahr 2026/2027 startet in Gotha ein neues Handwerkergymnasium. Dafür arbeiten das Staatliche Berufsschulzentrum Gotha-West und das Staatliche Berufsschulzentrum „Hugo Mairich“ eng zusammen.

Nachdem das Thüringer Bildungsministerium der Initiative grünes Licht erteilt hatte, wurde der Kooperationsvertrag noch vor dem Jahreswechsel unterzeichnet. Für die Schüler bedeutet das: Wer sich für das Handwerkergymnasium entscheidet, wird an beiden Standorten unterrichtet – insbesondere bei den handwerklichen und meisterbezogenen Inhalten. Ziel ist es, leistungsstarken Jugendlichen einen attraktiven, praxisnahen Bildungsweg zu eröffnen und gleichzeitig dem wachsenden Fach- und Führungskräftebedarf im Thüringer Handwerk zu begegnen.

Viele Vorteile für die Jugendlichen

Das Handwerkergymnasium ist eine an berufliche Gymnasien angedockte Zusatzqualifikation. Bereits während der gymnasialen Oberstufe absolvieren die Jugendlichen wichtige Module der Meisterausbildung, etwa in Betriebswirtschaft, Management und Ausbildereignung. Beginnen sie nach dem Abitur eine Berufsausbildung im Handwerk, profitieren sie von einer verkürzten Ausbildungsdauer und erhalten die Möglichkeit, nach dem Gesellenbrief direkt den Meistertitel folgen zu lassen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die frühe Verzahnung von Theorie und Praxis, die durch die enge Zusammenarbeit mit Betrieben sowie der Handwerkskammer Erfurt und den Kreishandwerkerschaften garantiert wird. „Handwerkergymnasien machen deutlich, dass berufliche Bildung und akademische Exzellenz keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig stärken. Betriebe profitieren von hochqualifizierten Nachwuchskräften, die handwerkliche Praxis mit fundiertem Wissen verbinden“, betont Judith Döring, Abteilungsleiterin Berufliche Bildung der Handwerkskammer Erfurt.

Fünf Schulen, knapp 300 Teilnehmer

In Nord- und Mittelthüringen zeigt sich: Das Modell wird sehr gut angenommen. Mit der Walter-Gropius-Schule und der Andreas-Gordon-Schule aus Erfurt, dem Staatlichen Berufsschulzentrum Kyffhäuserkreis in Sondershausen, dem Berufsschulcampus Unstrut-Hainich in Mühlhausen und der Staatlichen Berufsbildenden Schule Weimarer Land/Sömmerda bestehen aktuell fünf Handwerkergymnasien mit derzeit 365 Schülern. Allein im Schuljahr 2025/26 starteten 153 neue Lernende. Seit der Einführung des Modells im Jahr 2016 haben insgesamt 317 Jugendliche das Programm erfolgreich abgeschlossen – Tendenz steigend.

Zwar lassen sich aus datenschutzrechtlichen Gründen keine exakten Zahlen zum direkten Übergang der Absolventen ins Handwerk erheben. Erfahrungswerte der beteiligten Lehrkräfte zeigen jedoch, dass rund 30 bis 40 Prozent der Absolventen den Weg ins Handwerk einschlagen. Mit dem neuen Handwerkergymnasium in Gotha soll dieser erfolgreiche Weg nun konsequent fortgesetzt werden.