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Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt

Mit der Jahresauftakt-Pressekonferenz startete das Handwerk in Nord- und Mittelthüringen offiziell ins neue Jahr

08. Januar 2026

Jahresauftakt-Pressekonferenz 2026

Mit der Jahresauftakt-Pressekonferenz der Handwerkskammer Erfurt am 8. Januar 2026 startete das Handwerk in Nord- und Mittelthüringen offiziell ins neue Jahr. Die rund 14.000 Betriebe der Region stehen vor bekannten Herausforderungen, aber auch vor neuen Chancen – insbesondere durch innovative Instrumente wie den erstmals vorgestellten Chancenatlas.

Stabile Lage, aber verhaltene Erwartungen

Das Jahr 2025 war für das Handwerk ein Jahr der Konsolidierung. Die Geschäftslage bleibt stabil: Über 80 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Situation als gut oder befriedigend. Der Geschäftsklimaindikator liegt mit 101,65 Punkten erstmals seit Herbst 2023 wieder über der 100-Punkte-Marke. Dennoch sind die Erwartungen für die kommenden Monate zurückhaltend. 71,8 Prozent der Betriebe rechnen mit einem gleichbleibenden Niveau, nur 11,7 Prozent erwarten mehr Aufträge. Die Umsatzentwicklung zeigt eine leichte Verbesserung: Der Anteil der Betriebe mit steigenden Umsätzen stieg von 13,3 auf 18,3 Prozent, wobei besonders das Kfz- und Gesundheitshandwerk zulegen konnte. Dagegen verzeichnen das Nahrungsmittelhandwerk und der gewerbliche Bedarf deutliche Rückgänge.

Die Auftragsreichweite ist auf durchschnittlich 8,6 Wochen gesunken, fast die Hälfte der Betriebe hat nur noch vier Wochen Vorlauf. Der Personalbestand bleibt bei 77 Prozent der Unternehmen konstant, doch die Unsicherheit bleibt groß. Steigende Einkaufspreise für Material, Energie und Löhne belasten die Betriebe zusätzlich. Besonders alarmierend: Die Investitionsbereitschaft erreicht einen historischen Tiefstand. Lediglich 5,7 Prozent der Betriebe planen steigende Investitionen, während fast die Hälfte Kürzungen vorsieht – ein Warnsignal für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Thüringen.

Fachkräftemangel und Bürokratie als Dauerbremse

Der Fachkräftemangel bleibt die größte Herausforderung. Rund ein Drittel der Arbeitszeit von Führungskräften geht für Verwaltung und Bürokratie verloren. Die Politik hat mit dem Doppelhaushalt für 2026/27 wichtige Grundlagen geschaffen, etwa durch die Praktikumsprämie, den Meisterbonus und die Meistergründungsprämie. Entscheidend für die Zukunft des Handwerks sind jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen und gezielte Investitionsanreize. Die Betriebe fordern echte Vereinfachungen bei Dokumentationspflichten, mehr Tempo bei Genehmigungen und eine konsequente Fachkräfteoffensive – von flächendeckender Berufsorientierung bis zu Investitionen in die berufliche Bildungsinfrastruktur.

Chancenatlas: Kompass für Nachfolge und Gründung

Ein zentrales Thema der Pressekonferenz war die Vorstellung des neuen Chancenatlas. Er macht erstmals transparent, in welchen Regionen und Gewerken besonders attraktive Übernahmechancen für junge Menschen und Gründer bestehen. Im Kammerbezirk Erfurt sind 7.167 Inhaber über 60 Jahre – damit steht mehr als jeder zweite Betrieb in den kommenden Jahren zur Übergabe an. Besonders groß ist der Nachfolgebedarf in Gewerken wie Klempner, Orthopädietechniker, Informationstechniker und Feinwerkmechaniker, wo bis zu 74 Prozent der Inhaber über 60 Jahre alt sind. Regionen wie Erfurt, Ilm-Kreis, Kyffhäuserkreis, Nordhausen und Weimar weisen besonders hohe Anteile von Betrieben mit Ü60-Inhabern auf.

Der Chancenatlas dient als Orientierung für Betriebe, Nachwuchs und Politik. Er unterstützt die gezielte Maßnahmenplanung, Förderprogramme und Kampagnen. Die Handwerkskammer setzt auf eine breite Ansprache: Von Social-Media-Kampagnen und Großflächenplakaten bis zu Schulbesuchen und Netzwerktreffen werden alle Register gezogen, um potenzielle Nachfolger und Gründer zu gewinnen und die Zukunftsfähigkeit des Handwerks zu sichern.

Ausblick 2026

Das Thüringer Handwerk steht vor großen Aufgaben, aber auch vor echten Chancen. Für das Jahr 2026 gibt es vorsichtige Hoffnung. Die wirtschaftliche Stabilität hängt maßgeblich von politischen Rahmenbedingungen und einer aktivierten Investitionsbereitschaft ab. Mit innovativen Instrumenten wie dem Chancenatlas und gezielten Maßnahmen zur Fachkräftesicherung gibt die Handwerkskammer wichtige Impulse für eine erfolgreiche Zukunft.