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Trotz seines hohen Alters steht Otto-Ulrich Vollmann täglich für einige Stunden an der Schleifmaschine in seiner Werkstatt in Weimar.

Schleifen ist sein Leben

Auch im hohen Alter steht Otto-Ulrich Vollmann noch an der Schleifmaschine

Erst Anfang März hat Otto-Ulrich Vollmann seinen 82. Geburtstag gefeiert. Sich vollständig zur Ruhe zu setzen und seinen Lebensabend zu genießen, kommt für ihn trotzdem nicht in Frage. Von Montag bis Freitag steht der Mann aus Weimar in seiner Werkstatt, drei, vier Stunden am Tag an der Schleifmaschine. „Ich liebe meine Arbeit und brauche sie auch. Sie ist mein Lebensinhalt. Irgendwann müssen sie mich hier raustragen“, sagt der Instrumentenschleifermeister.

Das Handwerker-Gen wurde Otto-Ulrich Vollmann in die Wiege gelegt. Sein Vater stammte aus der für ihre Messer und anderen scharfen Sachen bekannten Stadt Solingen, wo er sich als Scherenschleifer selbstständig gemacht hatte, bevor er 1936 nach Weimar zog. In der Goethe- und Schillerstadt lernte auch der Sohn das Handwerk und legte 1968 die Meisterprüfung in Dresden ab. „Aus der gesamten DDR wurden sieben Prüflinge zusammengekratzt“, erinnert er sich.

Chirurgische Instrumente der DDR

In den 1970er-Jahren hat er den Betrieb, der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen feierte, übernommen – und durch bewegte Zeiten geführt. Während er bis zum Mauerfall vor allem chirurgische Instrumente wie Amputationsmesser, OP-Scheren oder Skalpelle für den gesamten Bezirk Erfurt schärfte, arbeitet er heute vor allem für Handwerker – Fleischer, Friseure und Fußpfleger, zum Beispiel – Köche, Privatleute und Liebhaber alter Werkzeuge. Sein Anspruch: Abgenutzten Dingen neues Leben einhauchen und gute Qualität liefern. „Kleine Herausforderungen, wie neulich eine Handheckenschere aus dem Bauernkrieg, spornen mich besonders an.“

Der 82-Jährige, der mit der Arbeit nicht zuletzt seine Rente aufbessert, schärft Äxte, Hackbeile, Kreissägen, Messer, Sensen und Sicheln und verpasst ihnen einen besonderen Wellenschliff. „Mein Mann arbeitet freihändig an der Schleifmaschine. Das ist fast kein Handwerk mehr, sondern Kunst“, sagt Frau Gabriela, die sich um die Buchhaltung und den Kundenkontakt kümmert. „Es rufen immer wieder Leute an und fragen, ob er es denn noch macht. Ja, er macht es noch. Ich finde es bewundernswert, dass er seine Bestimmung gefunden hat. Und das schon seit 68 Jahren“, sagt sie.

So lange es geht

Zweifel habe Otto-Ulrich Vollmann nie gehegt: „Ich habe nie über einen anderen Beruf nachgedacht, wirklich nie. Ich kann jungen Menschen nur raten, einen Handwerksberuf zu erlernen. Ich jedenfalls will noch so lange arbeiten, wie es geht.“