Paul-Philipp Braun
Tobias Hinz (stellvertretender Hauptgeschäftsführer der HWK Erfurt), Dr. Sebastian Fuchs, Mark Stöber und Vize-Präsident Holger Prüfer gestalteten die Obermeistertagung.

Wie Innungen gestärkt werden: Obermeistertagung wirft Blick auf Zukunftsfähigkeit der Organisationen

11. März 2026

Anfang des Monats (03. März) versammelten sich die Obermeister der Region, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaften, Vorstandsmitglieder und Junioren zur diesjährigen Obermeistertagung der Handwerkskammer Erfurt im Congress Center der Messe Erfurt. In seiner Begrüßung dankte Tobias Hinz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer, insbesondere den ehrenamtlich Engagierten in Innungen, Kreishandwerkerschaften und Verbänden. „Ihr Einsatz ist das Fundament der handwerklichen Selbstverwaltung – gerade in Zeiten, in denen ehrenamtliches Engagement insgesamt rückläufig ist“, betonte er.

Die Tagung, traditionell im Umfeld von VOB-Kongress und Thüringen Ausstellung angesiedelt, bot erneut eine Plattform für Information, Austausch und Vernetzung. Vizepräsident Holger Prüfer zeichnete in seiner Einführung ein klares Bild der aktuellen Lage. Wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Kosten, bürokratische Belastungen und bundesweit rund 250.000 offene Stellen im Handwerk verdeutlichten den Handlungsdruck. Das Handwerk brauche verlässliche Rahmenbedingungen, echte Entbürokratisierung und eine wirksame Fachkräftestrategie. Gleichzeitig werde die Rolle der Innungen immer wichtiger: Sie seien Interessenvertretung, Qualitätsgarant und Motor für Ausbildung und Zusammenhalt vor Ort.

Konkrete Ansätze für Entwicklung

Einen wissenschaftlich fundierten Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Organisationen warf Dr. Sebastian Fuchs vom Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung der Bergischen Universität Wuppertal. In seinem Vortrag „Innungen im Wandel – Entwicklungen, Herausforderungen und Strategien“ analysierte er strukturelle Veränderungen, demografische Entwicklungen und neue Erwartungen an ehrenamtliches Engagement. Diskutiert wurden konkrete Ansätze, wie Innungen moderner, flexibler und zugleich attraktiv für jüngere Betriebsinhaber gestaltet werden können.

Nach der Pause rückte mit dem Thema Altersvorsorge ein weiterer Zukunftsbaustein in den Fokus. Mark Stöber von der Inter Versicherung informierte über Strategien zur Rentenplanung speziell für Handwerker. Angesichts demografischer Entwicklungen und wachsender Unsicherheiten in der gesetzlichen Rentenversicherung sei eine frühzeitige, strategische Vorsorge unverzichtbar – sowohl für Betriebsinhaber als auch für Beschäftigte.

Die Obermeistertagung 2026 machte damit deutlich: Organisatorische Weiterentwicklung und soziale Absicherung gehören untrennbar zusammen, wenn das Handwerk auch künftig stark und wettbewerbsfähig bleiben soll.